Gipsmarken

Rissvermessung und Dokumentation von Rissen an Gebäuden mittels Gipsmarken
Definition:           Wenn es darum geht, Bewegungen von Gebäuden zu Dokumentieren wird immer wieder der Begriff „Gipsmarke“ erwähnt.
Mit Gipsmarken wird das Verfahren bezeichnet, bei den man vor Ort einen Gipspunkt oder -streifen über einen im Bauwerk vorhandenen Riss anbringt.
 
Gefahren und Stolpersteine beim Setzen von Rissmarken:
Wenn man im Internet recherchiert, trifft man immer wieder auf  Beschreibungen, sowie Zeichnungen, wie eine Rissmarke gesetzt werden soll. 
Größe und Stärke:       Diese Beschreibung zeigt, wie man eine Gipsmarke anbringen soll. Die Skizze der Gipsmarke erinnert in der Draufsicht an eine „liegende 8“, rechts und links circa 8 cm große runde Punkte  welche über einen Steg miteinander verbunden sind. Dieser Steg soll maximal 1 cm breit sein, die 8 cm Punkte dürfen circa 8 mm dick sein und der 1 cm Steg nur noch 1 mm.
In die unterschiedlich hohen Gipspunkte soll nun  noch eine gerade Linie eingeritzt werden.   Dazu muss man in einem 1 cm breiten und circa 1 mm starken Gipsfilm eine Linie einritzen.
Selbst  gelernten Stuckateuren werden ein solch filigranes Kunstwerk über einen Riss nur schwer herstellen können, unter Umständen muss dies noch auf einer Leiter im gepflegten Garten eines Wohnhauses erfolgen.
Wenn das Ausarbeiten der Verbindung der beiden Punkte als circa 1 mm starke Steg geglückt ist, wird spätestens dann der Strich, also die Einritzung, welche ja nur circa  0,5 mm in den Gipssteg eingeritzt wird, das Kunstwerk schädigen.
Witterung:                   Die angebrachte Gipsmarke ist über eine lange Zeit an der Fassade der Witterung ausgesetzt.
Tag und Nacht ist  der eingeritzte 1 mm dicke und 1 cm breite Steg durch Regen, Tauwasser oder Kondensat belastet. Wie sich in einem solchen Fall die aus Gips hergestellte Marke verhält, ist witterungsabhängig. Hierbei muss man aber bedenken, dass sich Gips in Wasser auflöst und dass gipshaltige Materialien bei Durchfeuchtung ihre Festigkeit verlieren.
Gips im Riss:               Zu berücksichtigen ist auch, wie man beim Anbringen der Gipsmarke im Bereich des bestehenden Risses vorgeht. Genau betrachtet müsste man vor dem Anbringen der Gipsmarke den Riss mit Watte verschließen, da durch das Aufbringen des circa 1mm dicken Gipsstreifens  auch Material in den Riss hineingedrückt wird und hier die Gipsmarke ja 1mm (plus Gips im Riss) dick ist.
Schwinden Material:   Durch eine solche Schwankung in der Materialdicke wird schon durch das unterschiedliche Schwindverhalten bei der Abtrocknung des Gipses eine gewisse Rissbildung  im Material auftreten.
Untergrundvorbehandlung
Wird frischen Putzmaterialien zu schnell Feuchtigkeit entzogen, verlieren diese Materialien an Festigkeit. Dies kann soweit führen, dass durch diesen als „Verbrennen“ bezeichneten Effekt keinerlei Materialfestigkeit beim Abbinden erreicht wird.
Ein solches „Verbrennen“ wird durch Vorgrundieren des Untergrundes verhindert.
Mindestdicke lt. Herstellervorschrift:

Ebenso werden Mindestdicken des zu Verwendung kommenden Materials durch die Hersteller vorgeschrieben, z.B. wird bei organischen Spachtelmassen, wie sie bei der Armierung von Wärmedämmverbundsystemen eingesetzt werden, ist eine Mindestdicke von 2 bis 3 mm vorgeschrieben. Bei saugenden Untergründen ist allerdings immer eine Vorgrundierung erforderlich.  Bei rein mineralischen Produkten, unter welche Gips fällt, ist eine weit höhere Materialdicke notwendig.
 
 
Unter Umständen liegt es daran, dass nicht nur ich Schwierigkeiten mit dieser Arbeitsanweisung habe. In 20 Jahren Tätigkeit habe ich noch keine einzige derartige Gipsmarke gefunden.
Dagegen sehe ich laufend Gipsmarken 1-5 cm dick und stellenweise bis 20 cm breit. Ich erlaube mir die Anmerkung, dass dies Gipsmarken sind, welche den Putz selbst nach dem Abklopfen noch sicher zusammen halten. Aber sehen Sie selbst im Internet nach, welches Bildmaterial über  Gipssmarken Sie dort finden.
 
 
Sonderfall Gipspunkte mit einer über den Riss eingelegten Glasplatte oder eines Glasstreifens
Gipsmarkenvariante durch das Ein- oder Auflegen eines Glasstreifens, der rechts und links des Risses mit einem Gipspunkt befestigt wird.
Man findet auf Baustellen meist 2 Variationen:
a)      Variation 1 – Handwerkerausführung
Auf beiden Seiten des Risses werden große Gipspunkte oder Fließenkleberpunkte angebracht. In diese Punkte werden anschließend Glasstreifen eingelegt, welche an den Rändern im Bereich der Klebepunkte noch dick mit Kleber überdeckt werden, um der Glasplatte Stabilität zu verleihen

b)      Variante 2 – Bauherrenversion
Die Glasplatte wird nur leicht auf die Klebepunkte aufgesetzt, damit die geringste Bewegung dazu führt, dass sich die Platte von den Klebepunkten löst.
 
Ähnliche Messgeräte im Bereich der Meteorologie
Beschreibung:     Wetterstein hängt an einem Seil im Freien. Je nach „Beschaffenheit“ kann man das Wetter diagnostizieren.
Stein nass                                               Erkenntnis                         Regen
Stein trocken                                           Erkenntnis                         schön
Stein heiß                                               Erkenntnis                         Sonnenschein     
Stein weiß                                               Erkenntnis                         Schnee  
Stein wackelt                                           Erkenntnis                         Erdbeben
Stein schaukelt                                        Erkenntnis                          Wind
Stein weg                                                Erkenntnis                          geklaut
Also – Schlußfolgerung für die Gipsmarke mit Glasstreifen:
 Glasscheibe löst sich von Gipspunkten                     Erkenntnis                          Bewegung
 
stellen Sie sich einmal vor, als Sachverständiger sollen Sie aufgrund Ihrer angesetzten Messinstrumente eine Aussage treffen, was am Gebäude geschehen ist  - und Ihre Angabe wird im Zuge der Beweisaufnahme Gegenstand eines Rechtsstreites. Wie zuverlässig und nachvollziehbar sind ihre Messergebnisse?
Aufgrund der mangelnden Präzision und der aufwendigen Montage ist der Einsatz von Gipsmarken nicht wirklich zu empfehlen.
 
Kostenersparniss durch das Setzen von Gipsmarken
Gipsmarken sind günstiger als Rissmonitore oder Risswächter?
Was haben sie sich durch das Anbringen von Gipsmarken gespart?
Folgende Arbeitsschritte sind beim richtigen Setzen von Gipsmarken notwendig:
1.      Werkzeug, Eimer und Abdeckmaterial zum Anwendungsort transportieren, Wasser besorgen
2.      Abdecken des Bodens und der angrenzenden Bauteile, um eine Verschmutzung durch flüssigen Gips beim Anbringen zu vermeiden.
3.      Vorgrundieren des Untergrundes
4.      Verschließen des vorhandenen Risses mit Watte oder ähnlichen Material, um ein Eindringen von Gips in den Riss zu vermeiden.
5.                     Anrühren des Gipses in geeigneten Behältern, Abdecken des Mischplatzes um Verschmutzungen zu vermeiden
6.      Anbringen einer (wie beschriebenen) Gipsmarke. Wie lange dies dauert, ist abhängig, wie filigran Sie als Handwerker arbeiten können.
7.      Adelung der Gipsmarke durch einen 0,5 mm dicken, gerade verlaufenden Ritzer.
8.      Werkzeug mit Wasser sauber machen, um die nächste Gipsmarke zu setzen
9.      Abdeckmaterial Entfernen und Entsorgen.
10.   Werkzeug, Eimer zusammen packen, ins Fahrzeug bringen und schmutziges Wasser entsorgen
 
Vergleich Rissmarke zu Rissmonitor
 
Rissmarke
Rissmonitor / Risswächter
Zeitaufwand pro Messtelle:
ca. 30 – 45 Minuten
ca. 10- 15 Minuten
Mess-Sicherheit:
keine
jederzeit ablesbar
Nachvollziehbares Messergebnis:
nicht möglich
über den gesamten Zeitraum möglich
Fehlerfreie Montage:       
schwierig
einfach durch 2K-Material
Materialkosten: 
Maximal 0,50 €
ab 10 € im Indoorbereich
 
Bei einem angesetzten Stundensatz von 60 € incl. Steuer sind dies:
Gipsmarke:          30 - 45Euro Lohnkosten, 0,50€ Materialkosten                Gesamt 30,50€ - 45,50€
Rissmonitor         10-15 Euro Lohnkosten, 10 Euro Materialkosten              Gesamt 20,00€ - 25,00€
Das Setzen eines Indoor Rismonitors ist aus wirtschaftlichen Gründen günstiger, als das Anbringen einer Gipsmarke.
Vergleichen sie selbst welches montagematerial sie in beiden unterschiedlichen anwendungsarten haben
 
Ergebnis:             Fachlich-technisch stellt nur der Rissmonitor ein sicheres nachvollziehbares Messergebnis sicher dar, da zu jedem Zeitpunkt die Bewegung abgelesen und dokumentiert  werden kann.
Der große Vorteil liegt hierbei im Bereich der freien Bewegung des Rissmonitors. Bei einer Gipsmarke muss erst die durch Bauteilbewegung entstehende Kraft so stark sein, dass es im Gips zum Riss kommt. Erst dann ist zu erkennen, dass Bewegung stattgefunden hat. Bei einem ungünstigen Verhältniss von Gipsdicke zu Haftung auf dem Untergrund kann es durchaus sein, dass die Gipsmarke über den Riss keine Bewegung anzeigt -  allerdings eine Ablösung vom Untergrund stattgefunden hat.        
 
Risswächter und Rissmonitore sind in den unterschiedlichsten Handelsformen erhältlich für Mauerwerksversätze innen und außen, Ecken (Wand zu Decke und Wand zu Estrich).
Rissmonitore unterscheiden sich in ihrer Funktionsweise kaum. Alle Produkte bieten die Möglichkeit, Bewegungen von Bauteilen dauerhaft zu überprüfen und zu kontrollieren. Lediglich die Gestaltung der Ablese-Skalen unterscheiden sich voneinander.
 
Franz Christ
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